Tom Grieser beendet Handballkarriere

Es war eine ebenso überraschende wie unglaubliche Nachricht. Tom Grieser, gerade einmal 28 Jahre alt, wird seine Handballschuhe an den Nagel hängen. Der zuletzt immer wieder von Verletzungen geplagte Führungsspieler der Zweibrücker Handballer hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, doch sein Körper gab ihm unmissverständliche Signale. 

„Nach 22 Jahren Handball in Zweibrücken ist nach dieser Saison leider Schluss für mich. Ich werde meine aktive Handballkarriere beenden“, lauteten die Worte, mit denen er seinen Rücktritt bekannt gab. Nach schweren Verletzungen in der Vorsaison hatte er sich zurückgekämpft, viel investiert und es sah zunächst auch so aus, als hätte sich die ganze Mühe gelohnt. Doch dann, schon im Herbst letzten Jahres, zeigten sich die ersten Anzeichen einer Verschlechterung. Um Schlimmeres zu vermeiden, entschied man sich in Abstimmung mit der medizinischen Abteilung der SG Zweibrücken, vorsichtig zu sein. Abhilfe sollte eine erneute OP Ende letzten Jahres schaffen. Zunächst schien der Plan aufzugehen, doch im Aufbauprozess gab es immer wieder Rückschläge, bis es schließlich zu viel wurde. „Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, weil Handball neben meiner Familie und meinen Freunden mein Leben war. Es ist sehr unbefriedigend, wenn man den Zeitpunkt nicht selbst wählen kann, sondern wenn der Körper es einem vorgibt. Als ich es der Mannschaft gesagt habe, war ich sehr emotional und konnte kaum sprechen. Ich denke, ich werde noch etwas Zeit brauchen, um das alles zu verarbeiten“, so ein nachdenklicher Tom Grieser.

Diese Nachricht schockte sein enges Umfeld, denn der sympathische Heilerzieher war nicht dafür bekannt, viel zu lamentieren. Mit seiner guten Laune und Motivation zündete er alle um sich herum an. Deshalb war sein Schritt für viele umso erstaunlicher. „Zunächst habe ich mich riesig gefreut, dass ich noch einmal die Gelegenheit bekommen habe, sein Trainer zu werden. Wir kennen uns nun schon so lange und Toms Brüder und Eltern waren immer eng in meinem Umfeld, seit ich seine Cousine Amelie Berger als kleines Mädchen trainiert habe. Ich habe oft live miterlebt, wie Tom als emotionaler Leader vorangeht und– wenn auch zu kurz – diese Saison aus erster Hand. Tom ist ein Kämpfer und Antreiber, der seinesgleichen sucht, und es ist bedauerlich, dass seine Karriere jetzt ein zu frühes Ende findet. Für die Zukunft wünsche ich ihm nur das Beste. Ich bin mir sicher, dass noch viel auf ihn wartet“, sagt sein Trainer Martin Schwarzwald. Man versteht Toms Entschluss und bedauert, dass man mit ihm nicht nur einen tollen Mitspieler, sondern vor allem auch einen guten Freund im Team verlieren wird. „Tom war mein Trauzeuge und ist einer meiner engsten Freunde. Auf dem Feld war er ein echter Kämpfer, der uns auch als Stimmungsmacher im Team sehr fehlen wird“, sagt Nils Wöschler. „Wir haben zusammen große Siege gefeiert und bittere Niederlagen betrauert. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie es ohne ihn sein wird“, so Philipp Hammann, Mannschaftskapitän der Zweibrücker Löwen, der sich dieses Amt in den zurückliegenden Jahren mit dem Abwehrspezialisten geteilt hat.

Grieser will und wird nicht von der Bildfläche verschwinden. "Dem Sport und dem Verein bleibe ich als Fan und Unterstützer erhalten, aber jetzt will ich nicht unmittelbar ein Amt übernehmen", sagt der 28-Jährige, der während seiner Laufbahn nahezu sein ganzes Leben nach dem Sport ausgerichtet hat. Dementsprechend war er nur selten frei in der Gestaltung seiner Wochenenden und Urlaube. Die neu gewonnene Zeit soll deshalb zunächst einmal anders genutzt werden, was wohl jeder mehr als gut nachvollziehen kann. 

Seine Handball-Laufbahn begann im zarten Alter von sechs Jahren bei der VT Zweibrücken. Etwas später führte sein Weg ihn zum SV 64 Zweibrücken, mit dem er große Erfolge in der Jugend und im aktiven Bereich feiern konnte. Mit der SG Zweibrücken, der Spielgemeinschaft der beiden Zweibrücker Handballvereine, schließt sich für ihn der Kreis. „Ich beende meine Laufbahn jetzt als Zweibrücker Handballer, der immer hier geblieben ist.“ Mit dem SV 64 spielte er in der B-Jugend um die Deutsche Meisterschaft und qualifizierte sich mit der A-Jugend für die Bundesliga. Auch die Einladung zur DHB-Sichtung zählt sicherlich zu den Höhepunkten seiner Handballvergangenheit. 

Bei den Aktiven knüpfte der talentierte und sehr fleißige Rückraumspieler nahtlos an und wurde schnell eine wichtige Kraft im 3.-Liga-Team. „Das waren alles tolle Erlebnisse, vor allem die Heimspiele vor unseren Fans in voller Halle“, erinnerte sich Grieser. Es gab aber auch bittere Momente, denn wo Licht ist, ist auch Schatten. Besonders in Erinnerung blieb ihm die Saison 2021/2022: Nachdem die Vorsaison der Pandemie zum Opfer gefallen war, mussten im darauffolgenden Jahr mehr Mannschaften absteigen. Man entschied sich, eine Vorrunde zu spielen und die Mannschaften anschließend in eine Abstiegs- und eine Aufstiegsrunde zu teilen. Am Ende stieg der SV 64 als Dritter der Gruppe V in der Abstiegsrunde ab. Besonders bitter für Grieser und seine Mannschaft war, dass sie in der Summe aus Abstiegs- und Vorrunde mehr Punkte geholt hatten als die beiden Kontrahenten, die am Ende den Klassenerhalt in der Abstiegsrunde feiern konnten. „Das war vielleicht auch meine beste Saison, die ich gespielt habe, und umso enttäuschter war ich damals.“ 

Wie es für ihn jetzt genau weitergeht, hat er noch nicht konkret entschieden, aber er hat eine ungefähre Vorstellung. „Ich denke, ich werde jetzt mit meiner Freundin mehr wegfahren. Ich habe auch das Fahrradfahren für mich entdeckt, das mir derzeit sehr viel Spaß macht. Wenn mein Knie es irgendwann wieder hergibt, werde ich auch gerne wieder Tennis spielen. Das war schon immer ein Hobby von mir.“ Für die Unterstützung durch die medizinische Abteilung ist er sehr dankbar und weiß sie zu schätzen. „Ich möchte mich noch einmal bei unserer medizinischen Abteilung rund um Jürgen, Aleks, Tiffanie usw. herzlich für alles bedanken! Wir sind da mehr als professionell aufgestellt, und das weiß ich sehr zu schätzen“, so Grieser. 

 

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