Große Emotionen und überraschender Heimerfolg

Die Handballer der SG Zweibrücken haben ihre beiden zuletzt gesteckten Ziele erreicht. Seit gestern können sie die überraschende Vizemeisterschaft feiern. Zudem haben sie es nach einem Erfolg über den Meister HV Vallendar geschafft, ihre weiße Weste vor heimischem Publikum zu wahren. In der gut besuchten Westpfalzhalle zeigten beide Teams starken Handball. Am Ende feierten die Löwen aus Zweibrücken den 32:28 (16:14)-Heimerfolg. Bester Zweibrücker Werfer war Stephan Jahn mit sieben Treffern. 

Bevor es allerdings zum Sportlichen ging, wurden die Tore der Westpfalzhalle für das jährliche Sponsorentreffen geöffnet. Marco Dobrani und Martin Schwarzwald nahmen die zahlreich erschienenen Unterstützer des Zweibrücker Handballsports mit auf eine Reise und gaben Einblicke in die tägliche Arbeit der SG. Marco Dobrani zeigte sich sehr zufrieden mit dem Saisonverlauf und hob nochmals die überragende Arbeit von Martin Schwarzwald hervor. Es sei ihm schnell gelungen, alle von dem eingeschlagenen Weg zu begeistern und mitzunehmen. „Wir wollen alle gemeinsam die Sportstadt Zweibrücken nach vorne bringen”, schloss Dobrani seinen einleitenden Part ab. Danach übernahm Martin Schwarzwald und dankte zunächst den vielen SG-Verantwortlichen für das Vertrauen und vor allem die ungebrochene Bereitschaft, neue Wege zu gehen und auch einmal über den Tellerrand hinauszuschauen. Einer dieser innovativen Wege ist eine ständige Videoanalyse, die nicht nur während der Spiele, sondern auch im Training essenzieller Bestandteil vieler Prozesse ist. „Die Spieler gehen selbstständig hin und prüfen Aktionen, auch ohne mein Zutun“, erklärte Schwarzwald. Er hob aber ebenso die gute Zusammenarbeit mit der Bodylounge aus Pirmasens hervor und möchte diesen Part zukünftig weiter ausbauen. 

Der Erfolg gibt ihm recht: Nicht nur sportlich hat man sich zur Vorsaison gesteigert, sondern auch die Zuschauerzahlen konnten um 50 Prozent gesteigert werden. Auch die Anzahl der Mannschaften wird steigen: 24 Teams werden am Spielbetrieb teilnehmen, davon werden acht überregional vertreten sein. All dies geschieht, um einen Ort zu schaffen, der von Zweibrücken für Zweibrücken ist. Der Löwennachwuchs soll eine gute Ausbildung erhalten und die Chance bekommen, sich in der Heimat zu beweisen – am liebsten mittelfristig in Liga 3. Dass Schwarzwald diesen Wunsch mit Leben erfüllt, konnte man diese Saison gut beobachten. Insgesamt acht A-Jugendspieler kamen in der ersten Herrenmannschaft zum Einsatz, sechs davon waren fester Bestandteil. 

Doch all dieser Aufwand und Einsatz hat seinen Preis. Man ist sich bei der SG einig, dass man weiterhin in Strukturen investieren muss – und vor allem auch will. 

Der Rahmen für das letzte Heimspiel hätte kaum besser geplant werden können, auch wenn es nicht mehr um den Titel ging. Der bis dahin zuhause ungeschlagene Tabellenzweite empfing den neuen Meister der Regionalliga Südwest. Der HVV musste auf die Waldgenbach-Brüder und Kalani Schmidt verzichten. Dies sah nur zunächst wie ein Vorteil aus. „Wir haben eigentlich etwas ganz anderes erwartet: viel 7:6 und vor allem Jan und Torben Waldgenbach. Ihr Fehlen hat es für uns zunächst nicht wirklich einfacher gemacht und unseren Plan ein bisschen über den Haufen geworfen”, so Schwarzwald. Wer jetzt dachte, der Ligaprimus würde die Partie abschenken, sah sich getäuscht. Zu Beginn der Partie machten sie mächtig Druck und standen in eigener Deckung sehr stabil. Nach etwas mehr als acht Minuten stand es 3:6 für den HVV. Die Zweibrücker hatten sich bereits früh zwei Zeitstrafen eingehandelt und der Spitzenreiter nutzte dies gnadenlos aus. Doch die Hausherren fanden langsam, aber sicher besser in die Partie, auch wenn die eigentlich gute SG-Deckung hier und da noch zu offen stand und den Gästen so leichte Tore ermöglichte. Louis Ringle glich in der 19. Minute für seine Löwen zum 10:10 aus. Nach dem zwischenzeitlichen 12:13 (24. Minute) legten die Gastgeber einen starken 4:0-Zwischensprint hin und führten zur Halbzeit nicht unverdient mit 16:14.

Zu Beginn der zweiten Hälfte knüpften die Rosenstädter nahtlos an ihre Leistung aus der ersten Hälfte an. Nach 40 Minuten hatten sie ihren Vorsprung auf 23:18 ausgebaut. Doch die Gäste zeigten, dass sie auch ohne die Waldgenbach-Brüder einen starken Kader zusammengestellt haben, und verkürzten den Rückstand kontinuierlich. Nach etwas mehr als 53 Minuten stand es 26:25. In dieser Phase hätte das Spiel in jede Richtung kippen können, doch die SG-Handballer behielten die Nerven und entschieden knapp 30 Sekunden vor dem Ende die Partie mit einem Treffer von Nico Graeber zum 31:28.

Danach wurde es noch einmal emotional, denn es war das Abschiedsspiel und das Karriereende von Tom Grieser. Der 28-Jährige hat sich aufgrund wiederkehrender Verletzungen schweren Herzens entschieden, die Handballschuhe an den Nagel zu hängen. Beide Teams versammelten sich am Mittelkreis, während die Zweibrücker Fans ein Transparent mit der Aufschrift „Danke Tom Grieser” hochhielten. Den letzten Treffer des Abends erzielte schließlich Grieser selbst zum Endstand von 32:28. 

Anschließend fand die Verabschiedung der Spieler statt. Zuvor nutzte Schwarzwald die Gelegenheit, dem HVV zu der überragenden und hochverdienten Meisterschaft zu gratulieren. Er bedankte sich auch bei allen Helfern, Fans und Gönnern des Handballs in Zweibrücken. Danach übernahm Pascal Wenzel und verabschiedete mit herzlichen Worten nacheinander Nico Becker, den es ebenso beruflich wegzieht, wie auch Martin Leufke. Felix Weinert hat sich entschieden, künftig für den HC St. Ingbert-Hassel aufzulaufen. Zum Abschluss wurde dann Tom Grieser verabschiedet. Seine engen Freunde Nils Wöschler und Philipp Hammann hatten etwas vorbereitet: Sie erzählten Geschichten aus der Vergangenheit, ließen tief in ihre eigenen Emotionen blicken und rundeten so, teils mit brüchiger Stimme, eine perfekte Verabschiedung ab.

Nächste Woche sind die Zweibrücker allerdings noch einmal gefordert. Dabei geht es für beide Teams um nichts mehr: Den Zweibrückern ist seit diesem Wochenende die Vizemeisterschaft sicher und der kommende Gegner, die SG Saulheim, muss unabhängig vom Ausgang der Partie in die Oberliga absteigen. 

Für die SG Zweibrücken spielten:

Damian Zajac und Norman Dentzer im Tor, 

Stephan Jahn 7, Nils Wöschler 5/3, Nico Graeber 4, Louis Ringle 4, Nico Becker 3, Samuel Reitz 2, Tom Ihl 2, Tom Grieser 2/1, Philipp Hammann 1, Tim Eisel 1/1, Martin Leufke 1, Matteo Weber, Julian Weber 

 

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